0001Ich sehe dich noch vor mir wie du im offenen Kofferraum in deiner Box sitzt und gar keine Ahnung hast wie es jetzt für die weiter geht. Wie ein Eisbär siehst du aus in deinem schneeweißen Fell und schaust mit deinem kleinen Gesicht mit der langen, mit einer schwarzen Spitze besetzte Nase zu mir bis ich dich schließlich zu mir nehme. Der Anfang einer tiefen Freundschaft die mich sehr lange begleiten wird. Hallo Shila, willkommen in deinem neuen Leben.


Wir schliefen zusammen im Wohnzimmer, immer darauf vorbereitet dass wir, was nächtens des öfteren vorkam, schnell mal in den Garten mussten. Ich schlich dann mit dir an der Leine durchs nasse Gras und sah dir bei deiner Erkundungsrunde zu, bis wir wieder rein konnten. Aber bald war das nicht mehr notwendig denn du warst ein wirklich tolles Hundemädchen. Junges Fräulein, lass dass. Was warst du für ein Spring-ins-Feld mit deinem glänzenden, dunklen Augen.


0001Die Jahre vergingen, wir besuchten Welpenstunde und Hundeschule, wir trafen manchen Spielkumpan und immer warst du eine so fidele, aufgeschlossene und fröhliche Begleitung. Den meisten Spaß hattest du immer am und vor allem im Wasser. Kaum in der Nähe ranntest du los und "platsch" drin warst du. Keine Pfütze war dir zu klein, kein Fluss zu reißend, kein See zu tief und kein Wetter zu kalt. Fräulein, was tust du da? Ja, du warst ein junger Hund mit sehr aufmerksamen dunkel glänzenden Augen.


Am Ende deiner wildesten Jahre hattest du deinen Platz an meiner Seite so zielsicher gefunden als ob es daran niemals auch nur den kleinsten Zweifel hätte geben können. Jetzt wurden auch schon mal fremde Vierbeiner zurecht gewiesen und du bestandest auf Respekt und Gehorsam. Selbst Menschen gegenüber konntest du diesen Respekt einfordern und warst dabei immer deutlich, konsequent aber fair. Shila, hier. Ja, du bist so richtig erwachsen geworden und sahst mich mit wachsamen glänzenden, dunklen Augen an.


0001Und dann kam der "Nachwuchs". Ein kleines Pflegetöchterchen rannte auf einmal im Haus umher und verlangte ebenso nach Aufmerksamkeit. Du konntest das kleine Fellnäschen erfolgreich ignorieren, zumindest für zwei Wochen. Dann hatte der junge, graue Wirbelwind auch dein Herz erobert und von Stund an hattest du einen Erziehungsauftrag. Wenn es dir zu hektisch wurde zogst du dich zurück und bestandest auf deine Ruhezeiten. Na meine Große, was denkst du? Ja, du wurdest älter und mich freute dein sanfter Blick aus deinen dunkel glänzenden Augen.


Und nun springt die dritte Generation, in Gestalt zweier "Nervziegen" durchs Haus. Unser Wildfang muss sich so einiges von dir Anhören wenn sie mal wieder zu aufdringlich wird, Du hast es nicht mehr so mit dem rumgewusel und willst deine Ruhe. Hallo meine alte Dame. Ja, du bist alt und schaust mich aus glänzend dunklen Augen an.


0001Und jetzt? Der Moment der in den letzten Jahren immer in meinem Kopf herumgeisterte ist nahe. Noch ist er nicht da aber es bleibt nicht mehr viel Zeit. Du warst nie die große Kuschlerin aber nun geniest du jede Streicheleinheit sehr. Dein herrlich weisses Fell ist an manchen Stellen "rostig" geworden, du hast die eine oder andere "Beule" bekommen, aber immer noch sehe ich deine dunklen Augen wie sie mich mit etwas trübem Blick anschauen.


Und nun bist du gegangen. Mit deinem Gesicht in meinen Händen ist mit der untergehenden Sonne auch das Licht in deinen eingetrübten Augen erloschen. Für dich war es nur der Schritt ins Traumland für mich scheint es das Ende der Welt zu sein. Nun warte ich darauf dass du im Reich meiner Träume zu mir kommst. An einem kalten Wintertag entdeckst du mich dort, rennst mir entgegen und ich blicke ich in deine herrlich glänzenden, dunklen Augen.


Machs gut Shila, bis wir uns wiedersehen.